Lebenszyklus der Bienen: Warum sie nicht 30 Tage leben und warum in einem Bienenvolk nicht 60.000-80.000 Bienen leben.

In der Literatur findet man häufig die Angabe, dass eine Arbeiterin im Sommer ca. 30 Tage oder länger lebt. Diese Zahl kommt daher, dass man Bienen in Beobachtungsstöcken beobachtet und festgestellt hat, dass sie dort 30 Tage leben. Das ist auch grundsätzlich richtig, denn die einzelne Biene lebt in einem kleinen Volk länger als in einem großen. Das liegt daran, dass sich die Biene nicht so schnell abarbeitet , weil sie weiß, dass sie länger gebraucht wird. Dies trifft jedoch nicht auf Wirtschaftsvölker zu, bei denen jeden Tag 2.000 neue Arbeitskräfte hinzukommen. In den Wirtschaftsvölkern ist der Arbeitsaufwand für die einzelne Bienen viel größer, wodurch sie nicht so lange lebt. Nun kann man auch nachvollziehen, wie manche darauf kommen, dass in einem Bienenvolk 60.000 Bienen oder mehr leben. Denn das eine Königin im Sommer ca. 2.000 Eier legt ist schon lange bekannt, umgekehrt bedeutet das auch, dass 2.000 Bienen pro Tag schlüpfen und so kommt man bei einer Lebenserwartung von 30 Tagen, auf 60.000 Bienen pro Volk.

Jedoch lassen sich keine 60.000 Bienen in einem Volk finden, denn die Bienen leben in Wirtschaftsvölkern deutlich kürzer. Wenn man nun also mal umgekehrt rechnet, indem man die Volksstärke erfasst und zurück rechnet, wie lange die Bienen dann leben, kommt man auf ca. 2 Wochen. Denn im Schnitt leben im Sommer in einem Bienenvolk 30.000 Bienen. Dies kann man ganz einfach mithilfe der 8-tel Methode erfassen. Wie diese funktioniert, erfahren Sie in der Rubrik 8-tel Methode. Wenn man also nun die Volksstärke von 30.000 Bienen durch die 2.000 Bienen dividiert, die pro Tag schlüpfen, kommt man auf 15 Tage Lebenserwartung.

Wenn man Abbildungen über die Tätigkeiten einer Biene im Laufe ihres Lebens betrachtet. Diese geben zwar einen guten Überblick darüber, welche Aufgaben es in einem Bienenvolk gibt, jedoch kann man diese Tätigkeiten nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt im Leben einer Bienen übertragen. Ich möchte nun anhand von einer Aufgabe zeigen, die jeder bei seinen Bienen selbst beobachten kann, warum diese Abbildung falsch ist. Schauen wir uns die Aufgabe als Wächterin an: Es wird dargestellt, dass eine Biene 3 Tage lang Wächterin ist. Das würde bedeuten, es würden 6.000 Bienen am Flugloch sitzen und Wächterin sein. Haben Sie bei ihren Bienenvölkern jemals 6.000 Wächterbienen an ihren Fluglöchern sitzen gesehen? Bienen leben schon länger als der Mensch auf dieser Erde. Sie haben im Laufe von Millionen von Jahren gelernt, Aufgeben effizient zu erledigen. Die Honigbiene wäre schon lange ausgestorben, würde sie so ineffizient arbeiten. Die Aufgabe als Wächterin übernehmen vielmehr die Flugbienen, die ausfliegen. Bevor diese losfliegen, kontrollieren sie, wer neben ihnen landet und falls es jemand ist, der nicht zum Volk gehört, schlägt sie Alarm. Auf garkeinen Fall wird eine Biene 3 Tage lang sinnlos am Flugloch sitzen und Wächterin sein. Nun könnte man anmerken, dass eine Biene auch nicht 30 Tage lebt. Warum das so ist, habe ich oben bereits erläutert. Aber selbst wenn man das runterrechnet auf 15 Tage Lebenserwartung, würde das immer noch bedeuten, dass 3.000 Wächterinnen am Flugloch sitzen. Beobachten Sie mal ein Flugloch von einem ihrer Wirtschaftsvölker. Sie werden genau erkennen, dass die Sammelbienen die anderen an- und abfliegenden Bienen kurz mit ihrem Fühler berühren und sie auf diese Weise kontrollieren.