Entscheidend für eine erfolgreiche Spätsommerpflege ist es, die Biologie der Bienen zu kennen und zu beachten. Wer sich nicht ausreichend mit der Entwicklungsdynamik befasst, riskiert gravierende Schäden an seinen Völkern. Für die weitere Planung an den Völkern muss man immer noch unterscheiden zwischen den Wirtschaftsvölker, die die dieses Jahr Honig eingetragen haben, und den Jungvölkern, die im April, Mai, Juni entstanden sind. Diese beiden Volkstypen haben unterschiedliche Entwicklungsverläufe: Während die Wirtschaftsvölker (WV) zur Sommersonnenwende dem 21.06. die Brutzellenanzahl reduzieren, wachsen die Jungvölker (JV) weiter bis in den Spätherbst.

Ende August/Anfang September werden die ersten Winterbienen in den WV aufgezogen. Hier gilt es, dass sie gesund aufwachsen können. Dies bedeutet, dass der Varroabefall kontrolliert und im Auge behalten werden muss. Es gilt wie beim Arzt: Ohne Diagnose KEINE Behandlung. Durch eine pauschale Behandlung schadet man dem Volk und man ist nicht in der Lage, den Behandlungserfolg feststellen zu können. Häufig liest man, dass alle Völker am Bienenstand unbedingt gleichzeitig behandelt werden sollen, damit durch Verflug der Bienen keine Varroamilben verteilt werden können. Es gibt keine Reinvasion durch Nachbarvölker oder fremde Völker in der Umgebung, denn der Milbeneintrag in ein Volk liegt unter 5%, ist also verschwindend gering.

 Zudem ist Ende August der richtige Zeitpunkt, die Wabenhygiene durchzuführen, damit die alten Waben durch saubere/neue ersetzt werden. Die Wabenhygiene ist wichtig für die Bienengesundheit, um die Ansammlung von Krankheitserregern zu reduzieren.

Wie erfasse ich den Varroabefall?

Die einfachste, genauste und die Methode, mit geringstem Aufwand, ist die 3-tägige Gemülldiagnose mithilfe einer Varroawindel. Warum genau 3 Tage? In den 3 Tagen bekommt man einen zuverlässigen Durchschnittswert. Danach ist die Windel wieder zu entnehmen, damit die Ameisen sie nicht als zuverlässige Futterquelle einstufen und spätere Kontrollen verfälschen, indem sie die Milben von der Windel tragen. Falls nach 3 Tagen Ameisen auf der Windel herumlaufen, ist die Gemülldiagnose erneut durchzuführen, aber diesmal wird die Windel mit einem weißen Tuch ausgelegt, das in Öl getränkt wurde, damit die Ameisen nicht mehr auf die Windel gelangen. Das sollte man aber nur machen, wenn es nicht zu vermeiden ist, da am Öl die Ameisen und auch andere Insekten, die auf die Windel geraten, verenden werden.

Die Gemülldiagnose kann nur zuverlässig funktionieren, wenn die Windel weiß ist und am Rand eine Aufkantung hat, damit keine Milben hinunterfallen können. Und es braucht einen Gitterboden, der vollständig offen ist, bis an die Zargen-Innenwand. Die Windel muss das Gemüll aus allen Waben vollständig und ungehindert auffangen können. Auf der Windel sollte man sich zur Orientierung Linien ziehen, an denen man sich beim Zählen orientieren kann. Beim Zählen hilft eine Sehhilfe z.B. eine Lupe mit Licht, denn die Milben sind sehr klein, um genau zu sein nur 1,1 Millimeter lang und 1,6 Millimeter breit und können somit schnell mit anderem Gemüll verwechselt werden oder darin nicht gut sichtbar „versteckt“ sein.

Wie Sie Varroa übers ganze Jahr im Griff haben und wissen, zu welchem Zeitpunkt welche Behandlung sinnvoll ist, erfahren Sie im Varroafahrplan.

Wann und womit behandelt man die Wirtschaftsvölker?

Liegt der natürliche Milbentotenfall bis Ende August/Anfang September bei den WV unter 10 Milben/Tag, ist weiterhin keine Behandlung erforderlich. Bei Werten unter 10 Milben/Tag ist es sinnvoll, noch bis Ende August Teilen und Behandeln (TuB) durchzuführen, denn das löst direkt mehrere Probleme auf einmal: Durch eine natürliche Brutfreimachung kann man die Bienen mit Oxalsäure einsprühen und 

August TuB
August TuB

erwischt damit 90% der Milben. Zudem werden beim TuB die Waben erneuert und es wird direkt eine neue Jungkönigin aufgezogen. Eine genaue Beschreibung zu TuB finden Sie in der Rubrik „Teilen und Behandeln“.Höchstwahrscheinlich übersteigt der natürliche Milbentotenfall der WV Ende August die Schwelle von 10 Milben/Tag, sodass man dann kein TuB mehr durchführen sollte, da der Brutling durch den zu hohen Milbenbefall kollabieren wird. Anstelle von TuB wird eine Kurzzeitbehandlung mit Ameisensäure nötig. Denn Ameisensäure ist das einzige Behandlungsmittel, was auch in die Brut wirkt.

Langzeitverdunster, die länger als 3 Tage in den Völkern bleiben müssen, sind gänzlich ungeeignet und schädlich für das Volk, da die Bienen unnötig lange der Ameisensäure ausgesetzt werden. Da Ameisensäure das einzige Behandlungsmittel ist, dass in die Brut wirkt, ist deswegen nur eine Kurzzeitbehandlung von 3 Tagen nötig.

Langzeitverdunster mit einer zugelassenen Behandlungsdauer von 12 Tagen oder mehr wirken nicht in die verdeckelten Brutzellen. Dies liegt an der zu geringen Applikation. Deswegen haben Langzeitverdunster eine Behandlungsdauer, die der 12 Tage Entwicklungszeit der verdeckelten Brut entsprechen oder etwas länger sind, um die Varroamilben erst auf den dann geschlüpften Bienen mit der Ameisensäure zu erreichen. Und das, obwohl die Ameisensäure, bei einer richtigen Verdunstung, in der Brut wirken könnte!

Alle Ameisensäure-Verdunster, die nur für eine Langzeitbehandlung zugelassen sind, sagen somit indirekt selbst, dass sie nicht richtig funktionieren, da sie nur wirken können, wenn sie lange in den Völkern verbleiben, obwohl das bei einer richtigen Verdunstungsrate nicht nötig ist, da bei einer richtigen Verdunstung die Ameisensäure auch in der Brut wirkt!

Deswegen ist von Langzeitverdunstern dringend abzuraten!

Hier empfiehlt sich die Verwendung des Liebigdispensers.  Dieser ist ein Vakuum- Verdunster und er garantiert, dass nur die Ameisensäure, die gerade im Docht ist, verdunsten kann. Bei anderen Verdunstern wie z.B. beim Nassenheider besteht die Gefahr, dass bei kühleren Temperaturen kontinuierlich Ameisensäure auf den Docht tropft aber nicht direkt verdunstet, sondern sich langsam ansammelt und dann bei warmen Temperaturen schlagartig verdunstet. Dadurch das die Ameisensäure schlagartig verdunstet, kann das Bienenvolk geschädigt werden. Zudem ist der Liebigdispenser einfach zu Handhaben und sehr schnell „aufgebaut“.

Nach der dreitägigen Ameisensäure-Behandlung müssen alle Milben, die auf den erwachsenen Bienen saßen und nicht in den Brutzellen sind, gefallen sein, damit die Behandlung erfolgreich war. Das sind 20% des Gesamtmilbenbefalls des Volkes.

Den Gesamtmilbenbefall berechnet man im Juli und August mit folgender Formel:

Milben/Tag x 150 = Milben im Volk

Was muss ich vor und während der Behandlung beachten?

Vor der Behandlung gilt es, einen möglichst großen Abstand zwischen der Brut und dem Dispenser zu schaffen. Dies gelingt bei den WV, indem man vorher Wabenhygiene durchführt. Die Bienenkönigin verlagert im Laufe des Augusts ihr Brutnest in den oberen Brutraum. So wird der untere Brutraum Ende August frei von Brut sein und man kann die alten (zweijährigen Waben) entnehmen. Der obere Brutraum wandert nun nach unten direkt auf den Boden und darauf kommt ein ausgeschleuderter Ex-Honigraum. So werden zwei Probleme auf einmal gelöst: Das Bienenvolk sitzt teilweise wieder auf neuen, sauberen Waben und es gibt einen ausreichend großen Abstand zwischen der Brut und dem Dispenser. Bei den Jungvölkern bleibt nur die Möglichkeit, den Dispenser in größtmöglichem Abstand zur Brut aufzustellen. Vor und während einer Ameisensäure-Behandlung sollte keineswegs gefüttert werden, da dies den Behandlungserfolg erheblich beeinträchtigt. Wenn während einer Behandlung oder kurz vorher gefüttert wurde, zieht die Ameisensäure größtenteils ins Futter und kann deswegen nicht mehr wirken. Damit hat die Behandlung nicht funktioniert und war unnötig.

Jungvolkpflege - Wann und womit behandelt man die Jungvölker?

JV starten mit ganz wenigen Milben (auch die Teilvölker, die beim TuB entstanden sind zählen zu den jungvölkern und müssen wie diese geführt werden), vorausgesetzt sie wurden richtig gebildet, das heißt mit einer Brutwabe und im brutfreien Zustand mit Oxalsäure eingesprüht. Einen Artikel zur richtigen und einfachen Ablegerbildung finden sie unter dem Monat Mai. Dementsprechend liegt der Milbenfall im August häufig unter der Schadschwelle von 5 Milben/Tag, darauf sollte man sich aber keinesfalls verlassen. Man muss dennoch regelmäßig den Varroabefall erfassen und gegebenenfalls behandeln. Die Behandlung der Jungvölker sollte aber so spät wie nur möglich erfolgen, da im Jungvolk die Brutzellenanzahl die Bienenanzahl bei weitem übersteigt und die Bienen die Brut nicht ausreichend vor einer Überdosis der Ameisensäure schützen können. Deswegen ist es so wichtig, dass die Ableger mit wenigen Milben starten. In der Regel wird eine Behandlung der Jungvölker, vorausgesetzt sie wurden richtig gebildet und geführt, erst im September notwendig.

Ähnlich wie bei den WV sollte man den Dispenser (auch hier empfiehlt sich die Verwendung des Liebigdispensers) so weit wie möglich von der Brut entfernt aufstellen, um einer Schädigung der Brut entgegenzuwirken. Oft liest man: Bei der Behandlung der Jungvölker sollte man das Flugloch ganz öffnen. Das birgt jedoch erhebliche Risiken für die Jungvölker. Jungvölker sind kleine Völker und brauchen ein kleines Flugloch, um sich gegen Räuber gut verteidigen zu können. Der Ameisensäuregeruch erschwert es den Wächterinnen ohnehin, Freund von Feind zu unterscheiden, da alles gleich riecht. Wenn man bei den Jungvölkern nun zusätzlich das Flugloch auf ganzer Breite öffnet, ist das für die Räuber optimal, da sie dann ungehindert ins Volk gelangen können. Deswegen ist es extrem wichtig, dass das Flugloch ab Bildung der Ableger bis in den November maximal zwei Bienen breit ist!

Was tun bei den Jungvölkern?

Liegt der Varroabefall der JV Ende August immer noch unter der Schadschwelle von 5 Milben/Tag, was der Regelfall bei einer richtigen Völkerführung ist, ist weiterhin keine Behandlung notwendig. Man muss sich lediglich darum kümmern, dass die Jungvölker genug Futter und Platz zum Brüten haben. Keinesfalls sollte man damit beginnen, seine JV für den Winter aufzufüttern, das wäre verfrüht. Um das Auffüttern der JV sollte man sich erst im September Gedanken machen. Liegt der Varroafall doch über 5 Milben/Tag, ist eine Kurzzeitbehandlung mit Ameisensäure notwendig. Und man sollte sich fragen, was bei der Ablegerbildung oder Völkerführung misslungen ist, dass es zu so einem hohen Milbenbefall gekommen ist und diesem Problem sollte man nachgehen, damit es nächstes Jahr nicht mehr passieren wird.