April – Jetzt geht’s richtig los

Im April beginnen die Bienen Nektar einzutragen. Es wird also Zeit für die Honigräume. Wenn man sich auch hier wieder, genauso wie die Bienen, an der Phänologie orientiert, kann nichts schiefgehen und man kann eine allgemeingültige Aussage für jede Region treffen. Als Zeigerpflanze hat sich hier die Kirsche bewährt, denn diese blüht von allen Obstgehölzen zuerst und steht somit am Beginn der ersten Massentracht. Der richtige Zeitpunkt für den ersten Honigraum ist also der Beginn der Kirschblüte. Auch hier gilt: Es gibt kein zu früh, nur ein zu spät! Wer zu spät erweitert, sorgt dafür, dass der Brutraum verhonigt und das Volk in Schwarmstimmung gerät.

Kirschblüte
Kirschblüte

Bevor man den ersten Honigraum aufsetzt, müssen überschüssigen Futterwaben aus den Bruträumen entnommen werden. Die entnommenen Futterwaben kann man dann schon 2 Wochen später für die Ablegerbildung gebrauchen. Durch die Entnahme wird verhindert, dass die Bienen das überschüssige Winterfutter in den Honigraum umtragen. Es verbleiben nur zwei Futterwaben im obersten Brutraum als Reserve und zwar eine links und eine rechts. Die entnommenen Waben werden ersetzt durch einen Drohnenrahmen im oberen Brutraum an Position zwei von links oder rechts und der Rest wird aufgefüllt mit Mittelwänden.  Dieser Drohnenrahmen dient dazu, dass die Bienen Drohnenbrut anlegen können, denn das ist auf Waben mit Mittelwänden nicht möglich, da dort die Zellgröße vorgegeben ist. Der Drohnenrahmen dient als „Varroafalle“ und wird deswegen regelmäßig geschnitten, denn in der Drohnenbrut befinden sich 3x mehr Varroamilben als in Arbeiterrinnenbrut. Ein regelmäßiges Drohnenrahmenschneiden reduziert den Milbenbefall also deutlich und man hat im Spätsommer nicht so früh ein Varroaproblem. 

Brutwabe im April
Brutwabe im April

Auf den Brutraum wird ein Absperrgitter gelegt, damit die Königin im Honigraum keine Brut anlegen kann.

Der erste Honigraum wird mit einem Wabenkern aus 3-4 ausgebauten Waben bestückt, der Rest wird mit Mittelwänden aufgefüllt. Wenn man keine ausgebauten Waben hat, nimmt man nur Mittelwände, das ist überhaupt kein Problem. Aber auf keinen Fall dürfen die Waben, aus denen Honig geerntet wird, bebrütet gewesen sein, deswegen niemals mit bebrüteten Waben erweitern!

Wenn noch Tracht zu erwarten ist und der Honigraum schon zu 2/3 gefüllt ist, wird immer ein neuer Honigraum gegeben.

Schwarmkontrolle

Ob und wie lange Bienenvölker in Schwarmstimmung sind, kann der Imker durch seine Tätigkeiten maßgeblich beeinflussen. Die Sammelleistung und das Schwarmverhalten von Bienenvölkern hängen zusammen, denn starke Völker sammeln viel Nektar und wollen in der Regel auch schwärmen. Das Schwarmverhalten sowie auch die Sammelleistung lassen sich viel einfacher durch die Völkerführung beeinflussen als durch gezielte Zucht. Erst ab der Kirschenblüte geraten Bienenvölker, wenn sie vorher richtig geführt wurden, in Schwarmstimmung, deswegen muss man ab sofort alle 7 Tage seine Völker auf Schwarmlust kontrollieren. Wer dies nicht tut oder nicht konsequent durchführt, riskiert einen Schwarmabgang. Wenn dieser Schwarm dann nicht gefangen wird, stirbt er auf jeden Fall! Er fällt dem Varroatot zum Opfer! Es gibt keinen belegten Beweis dafür, dass ein Schwarm in freier Wildbahn lebt! Vielmehr zeigen Studien das Gegenteil, dass die durchschnittliche Lebenserwartung für ein Bienenvolk in der Natur bei nur 7 Monaten liegt!

Warum genau im 7 Tage Rhythmus?

Das Bienenvolk schwärmt erst, wenn die erste Schwarmzelle verdeckelt ist. Nun muss man die Entwicklungszeiten einer Königin kennen. Diese kann man sich ganz einfach durch folgenden Spruch merken: „3-5-8 und die Königin ist gemacht“. Das bedeutet also, dass das Volk nach 8 Tagen seit der letzten Kontrolle schwärmen könnte. Deswegen kommt man einen Tag vorher am 7. Tag. Wenn man seine Bienenvölker mit 2 Bruträumen führt, kann man die Kippkontrolle durchführen und viel Zeit und Arbeit sowie den Bienen viel Stress sparen. Warum die Kippkontrolle Zeit erspart, erfahren Sie in der Rubrik „Imkern mit Verstand“. Die Kippkontrolle funktioniert ohne Wabenziehen. Man kippt den oberen Brutraum einfach nach vorne und schaut sich die Wabenunterseite an. Dabei prüft man folgende Punkte:

  1. Schwarmstimmung?
  2. Drohnenrahmen schneidereif?
  3. Welche Wabe ist für die Ablegerbildung geeignet?

Schwarmstimmung herrscht dann, wenn mindestens ein Spielnäpfchen bestiftet ist. Dann muss man das gesamte Bienenvolk kontrollieren. Dazu sollten nun alle Waben abgeschüttelt werden, denn die Bienen verdecken die Schwarmzellen häufig. Deswegen ist es unumgänglich die Waben abzuschütteln, um sicher zu gehen, dass man auch jede Schwarmzelle gesehen hat. Wichtig: Alles genau durchschauen, denn wenn man nur eine Zelle übersehen hat, schwärmt das Volk!

Drohnenrahmen müssen geschnitten werden, wenn sie komplett verdeckelt sind. Das kann man sehr gut von unten beurteilen, denn erst wenn die Drohnenzellen verdeckelt sind, befinden sich auch die Varroamilben in den Zellen.

Bieneneschwarm im Apfelbaum
Lässt sich vermeiden! Bienenschwarm im Apfelbaum

Ableger Bildung

Im April wird es auch Zeit, die ersten Ableger zu bilden, um der Schwarmstimmung entgegenzusteuern. Ich bilde die ersten Ableger ca. 2 Wochen nach dem Aufsetzen der Honigräume und dann immer im Abstand von 2-3 Wochen bis Mitte/Ende Juli. Es sollten nur Völker vermehrt werden, die sanftmütig sind. Wenn man keine sanftmütigen Bienen hat oder nicht alle sanftmütig sind, bildet man Sammelbrutableger. In diesem werden Brutwaben gesammelt und Larven aus einem sanftmütigen Volk gegeben. Wenn dann die Königinnen aufgezogen wurden, wird das Volk aufgeteilt. Mehr über die Bildung von Sammelbrutablegern erfahren Sie in der Rubrik „Imkern mit Verstand“. Es hat sich gezeigt, dass es am sinnvollsten ist, Ableger mit 1 Brutwabe zu bilden. Die entnommene Brutwabe wird durch eine Mittelwand ersetzt. Auf dieser Brutwabe sollte mindestens die Hälfte der Wabenseite mit Bienen besetzt sein und 6/8 verdeckelte Brut auf beiden Seiten sein. Zudem müssen ein paar junge Larven, also maximal 2 Tage alt oder Eier auf der Wabe sein, 5 Stück reichen aus. Auf garkeinen Fall darf auf dieser Wabe die Königin sein! Auf diese Weise werden Ableger, die bis Ende Mai gebildet werden, stark genug für die Einwinterung und sie haben deutlich weniger Varroen als Ableger, die mit mehreren Brutwaben gebildet wurden. Die Brutwabe wird direkt an die Zargenwand gehangen, daneben dann eine Mittelwand und daran eine Futterwabe mit ca. 2kg. Diese drei Waben muss man mit Pinwandnadeln fixieren, damit sie beim Transport nicht verrutschen. Der neue Ableger muss mindestens 3 km entfernt aufgestellt werden, damit die Flugbienen nicht zurück fliegen. Am neuen Stand wird das Flugloch direkt geöffnet, aber nur einen Finger breit, sodass zwei Bienen gleichzeitig durchkönnen! Wer das Flugloch größer aufmacht, riskiert Räuberei! 4 Wochen nach der Bildung wird der Ableger kontrolliert, ob die Königin in Eilage ist. Solange keine begattete Königin im Ableger ist, darf dieser unter keinen Umständen flüssig gefüttert werden, sonst bricht Räuberei aus. Bienen verteidigen ihr Bienenvolk erst, wenn eine begattete Königin im Volk ist. Wenn die Königin also begattet ist, wird sie gezeichnet, die Bienen mit Oxalsäure eingesprüht, mit einer neuen Mittelwand erweitert und wenn nötig gefüttert. Wenn man Ableger erweitert, geschieht dies immer durch eine Mittelwand, die zwischen die letzte Brutwabe und die Futterwabe gehangen wird. Ableger können sich in der Regel nicht selbst versorgen, deswegen muss man sie regelmäßig füttern. Ich schaue deswegen alle 2 Wochen bei meinen Ablegern vorbei. Die Ableger sollten immer 2 kg Futter haben. Wenn man füttert, dann immer fluglochfern und am besten in einem Milchbeutel oder ähnlichem, denn dann läuft man nie Gefahr durch zu viel Futter das Brutnest einzuengen.