Teilen und Behandeln (TuB) – die Beste Behandlungsmethode?!
TuB ist eine bewährte Behandlungsmethode, die ich seit einigen Jahren bei meinen Wirtschaftsvölker (WV) erfolgreich praktiziere. Diese Behandlungsmethode ist in meinen Augen die einfachste und beste Behandlungsmethode sowohl für den Imker als auch für die Bienen.
Die Vorteile:
- Man muss keine Ameisensäure benutzten, denn sie birgt immer das Risiko, das Volk zu schädigen oder es sogar zu töten.
- Die Wabenhygiene wird direkt mit durchgeführt und man kann alle Waben austauschen, die einem zu dunkel geworden sind, da alle Waben nach drei Wochen frei von Brut sind.
- Man bekommt eine neue Jungkönigin, die man dann im Herbst benutzen kann, um die alte Königin auszutauschen. Das ist eine von 5 wichtigen Voraussetzungen, die es für eine gute Überwinterung der Bienen braucht.
- Durch das TuBen besteht außerdem die Möglichkeit, seine Völkeranzahl weiter zu erhöhen, da man häufig beide Teile (Flugling und Brutling) getrennt einwintern kann. Das ist natürlich kein Muss, man kann natürlich auch die beiden Volksteile wieder vereinigen.
- Man hat eine Zeitspanne von drei Wochen, in der keine Arbeiten bei den WV anfallen.
- Man muss keine Brut vernichten, wie es sinnloserweise in anderen Methoden der Brutfreimachung praktiziert wird. Die dann auch noch als „naturgemäß“ oder „wesensgerecht“ bezeichnet werden. Mehr dazu in der Rubrik „Nachgedacht am Bienenstock“
Was braucht es für ein erfolgreiches TuB?
- Eine Varroabefallsdiagnose ist der erste wichtige Schritt, um einen erfolgreichen Ablauf zu haben. Wie erfasst man sicher den Varroabefall? (sieh dazu bei „Imkern mit Verstand“) Liegt der Varroa Befall über 30 Milben/Tag, sollte man kein TuB durchführen, da der Brutling dann durch die hohe Milbenzahl droht zu kollabieren.
- Ausgebaute, saubere und leere Waben – hier empfiehlt sich die Verwendung der ausgeschleuderten Honigwaben. Auch hier ist es wieder von Vorteil, wenn man ein einheitliches Rähmchensystem hat und z.B. nicht ein anderes für den Honigraum. Die ausgeschleuderten Honigwaben sollte man unbedingt vorher für ein paar Tage auf den Wirtschaftsvölkern sauber machen lassen, damit sie nicht mehr intensiv nach Honig riechen und damit nicht während der Bildung der Fluglinge Räuberrei ausbricht.
- Es muss die nächsten 2-3 Tage gutes Flugwetter herrschen, damit der Flugling sich erfolgreich bilden kann.
- 3 Wochen nach dem Teilen muss es noch Hochzeitsflugwetter geben, damit die neue Königin begattet werden kann. Hier hat es sich gezeigt, dass man bis Ende August noch TuB machen kann, da es im September noch ein paar warme Tage gibt.
- Für TuB eignen sich nur strake Völker, damit Flugling und Brutling ausreichend stark gebildet werden können. Geschwächte Völker z.B. durch einen späten Schwarmabgang sollten nicht mehr mit dem Verfahren TuB von Varroa befreit werden. Völker die bereits durch Varroa geschädigte sind, sollte man unbedingt und zeitnah mit Ameisensäure behandeln, damit alle Milben innerhalb von 3 Tagen getötet werden und die zukünftigen Bienen wieder gesund aufwachsen können.
- Die zu teilenden Völker müssen ihren Stellplatz gut kennen, wenn sie also von einer Wanderung zurückkommen, müssen sich die Bienen schon einige Tage auf ihren Stellplatz eingeflogen haben können.
- Wie bei allen Arbeitsschritten muss auch beim TuB zügig gearbeitet werden, um Räuberei zu vermeiden. Denn es herrscht Räubereizeit, die mit der Sommersonnenwende am 21.06. beginnt.
- Beide Volksteile (Flugling und Brutling) müssen nach zwei bzw. nach 23-26 Tagen nach der Bildung mit Oxalsäure entmilbt werden. Hier zeigt sich, dass das Einsprühen, auch wenn es ein wenig zeitintensiver ist, die wirksamste Applikationsmöglichkeit ist.
Ablaufplan für Teilen und Behandeln (TuB) Schritt für Schritt bei zweizargigen Völkern:
Wenn man sich entschieden hat, bei seinen Völkern TuB zu machen, sollte man sich seine Materialien schon bereitstellen, damit man nachher zügig am Volk arbeiten kann. Man braucht pro Volk 1 Boden, 1 Deckel, 1 Zarge mit ausgebauten und sauberen Ex-Honigwaben in der schon eine Futtertasche mit Aufstiegshilfe hängt, aber noch ohne Futter, einen Königinnenkäfig.
Tag x+0
Als erstes trennt man den oberen vom untern Brutraum unter möglichst wenig Rauchgabe, damit die Königin nicht hektisch wegläuft oder die Brautraumzarge wechseln kann. Vorausgesetzt im oberen Brutraum ist ausreichend Platz für das Brutnest, wird sich die Königin in den allermeisten Fällen in der Mitte vom oberen Brautraum befinden. Dort sucht man also die Königin und fängt sie in dem Königinnenkäfig, den man entweder mit Futterteig oder ein wenig Marshmallow verschließt. Dies hat den Hintergrund, dass die Königin auf der Suche nach ihrem Volk nicht aus dem Flugloch laufen kann, denn in den ersten Stunden befinden sich keine bis wenige Biene im Flugling. Die zum Ausfressen gekäfigte Königin setzt man nun zusammen mit der Zarge, in der die Ex-Honigwaben und die Futtertasche hängen, auf den alten Boden. Das ist von entscheidender Bedeutung, da die Bienen ihren Boden „markiert“ haben. Auf einem fremden Boden bildet sich der Flugling nur sehr schlecht. Den Brutteil stellt man nun mit einem neuen Boden auf den Flugling und engt sein Flugloch so weit ein, dass nur noch zwei Bienen durchpassen, denn der Brutling wird erstmal alle seine Fluglochwachen in Form von Flugbienen verlieren.
Tag x+2
2 Tage nach der Bildung von Flugling und Brutling muss man die Bienen im Flugling mit Oxalsäure einsprühen. Dabei ist es egal, ob man die Königin mit einsprüht oder nicht. Zudem ist es jetzt sehr wichtig, dass man das Flugloch vom Flugling auch so weit einengt, dass nur noch 2-3 Bienen gleichzeitig durch passen. Das Flugloch sollte jetzt da liegen, wo die Bienen angefangen haben, ihr Brutnest anzulegen. Nun gibt man dem Flugling noch 4-5 kg Futter, damit er die nächsten Wochen nicht verhungert. Jetzt ist der Flugling erstmal für ca. 3 Wochen versorgt, er hat ausreichend Futter und er wurde entmilbt.
Was tun, wenn man die Königin an Tag x+0 nicht findet?
Falls man die Königin nicht auf Anhieb finden sollte, ist das nicht weiter schlimm – es bringt dann auch nichts, ewig weiter zu suchen, da man einerseits die Königin nur aufscheucht und andererseits Räuberei auslöst. In diesem Fall nimmt man einfach eine Brutwabe mit Stiften und/oder jüngster Brut aus dem Volk und hängt sie mit ansitzenden Bienen in den Flugling, damit die Bienen im Flugling nicht hoffnungslos weisellos sind und sich der Flugling auch ohne Königin gut bildet. Wenn man nun zwei Tage später wieder kommt, muss man die Königin im Brutling finden, denn sonst funktioniert es nicht mit der natürlichen Brutfreimachung. Nach 2 Tagen ist es aber deutlich einfacher, die Königin zu finden, weil nur noch halb so viele Bienen im Volk sind. Wenn man also nach zwei Tagen die Königin gefunden hat, entnimmt man die Brutwabe im Flugling ohne Bienen und hängt sie zurück in den Brutling und setzt die Königin in den Flugling. Diesmal kann man auf das Käfigen verzichten, da sich dann schon genug Bienen im Flugling befinden.
Tag x+23 bis Tag x+26
23-26 Tage nach der Bildung muss man sich um den Brutling kümmern. Dort sind nun alle Bienen geschlüpft und die neue Königin hat schon mit dem Eierlegen begonnen. Die neue Königin wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% begattet sein, wenn Hochzeitsflugwetter war. Als erstes entnimmt man nun dem Brutling alle alten Waben, dass sind die Waben die 2 oder mehr Jahre bebrütet wurden, sodass er nur noch auf einer Zarge sitzt. Dann wartet man ca. 30 Minuten, bis sich die Bienen in dem Volk beruhigt haben. In dieser Zeit kann man die anderen Völker bearbeiten. Wenn sich die Bienen wieder beruhigt haben, werden auch diese mit Oxalsäure eingesprüht. Falls man bei diesen Arbeitsschritten zufällig die neue und begattete Königin sieht, kann man sie direkt markieren, ansonsten macht man es beim Nächsten mal. Ob die Königin begattet ist, erkennt man daran, daas schon wieder Stifte und Larven in den Zellen sind. Danach gibt man dem Brutling noch so viel Futter, dass er ungefähr 4-5 kg Futter hat. Die alten Waben, die man bei seinen Völkern entnommen hat, werden nun eingeschmolzen und das Wachs wird dann Teil des eigenen Wachskreislaufs. Mit einer 10%igen Wahrscheinlichkeit kommt die Königin nicht vom Hochzeitsflug zurück. Wenn dieser Fall eingetreten ist, sprüht man die Bienen trotzdem mit Oxalsäure ein und vereinigt sie dann mit dem Flugling.
Nach dem TuB sind die Teilvölker genauso wie die Jungvölker zu führen. Auch für sie gelten die gleichen Varroabefallschwellen wie für die Jungvölker!
